Original text


What follows is the full text of the book, before any corrections were made. It is full of my mistakes!

Die Kleine Backstube

geschrieben im Herbst 2016 von Andrew Knowlman durch Augeneingabe

geschrieben für Valentina Knowlman und andere interessierte Leser

Für den Leser: ich schreibe auf Deutsch bestens möglich. Für einige wird es einfach lesbar sein; wenn du Hilfe brauchst, vielleicht kannst du die Deutschlehrerin fragen (if you need help with the German, maybe you can ask your teacher).

Viel Spaß beim Lesen!

 

1. Die kleine Backstube

Francesca Müller machte die Tür der Kleinen Backstube um zwei Uhr auf, so wie jeden Morgen während der letzten dreißig Jahren. Sie backte das Brot für die Bürger der Stadt, und immer mit Stolz auf ihre Arbeit. Heute war es ein frierender Tag mitte Februar. Für Gesellschaft hatte sie die schwarze Katze mit der weißen Nase, Lotte, und ab vier Uhr den komischen aber freundlichen Mitarbeiter Herr Klaus Hofmeister. Die Hitze aus dem Backofen war ein Geschenk, als der Schnee vom Himmel herunterfiel. Lotte schlief gleich daneben und die beiden Bäcker mussten auf sie aufpassen. Trotz ihrer langen Jahren in der ‘Backstube Müller’ war ihnen die Umwandlung von Mehl und Hefe immer noch ein Wunder, die Wärme, die Gerüche und das Gefühl des frischen Brots eine Freude.

Die Familie Müller war seit hundert Jahren Inhaber des kleinen Ladens aber die Francesca wollte das Geschäft an jüngeren weitergeben. Francesca hat in die Familie geheiratet, als sie fünfundzwanzig hatte, und nur drei Jahre von Sizilien weg war. Sie hatte aber ihr Leben genossen. Ihr Sohn war LKV-Fahrer und die offene Straße war sein Arbeitsplatz. Brigitte, jetzt siebenundzwanzig, war Mathelehrerin im Gymnasium zehn Kilometer entfernt. Sie war immer froh den Fortschritt ihrer Studenten zu sehen und das Schulleben gefiel ihr sehr. Sie führte die Handballerinnen und die Mannschaft war eine der besten im Bundesstaat. Von Herrn Müller hat man neulich nicht so viel gehört.

Um sechs Uhr war das Brot und die Brötchen fertig. Mit ihrem üblichen Lächeln ging Francesca zum Schalter und begrüßte den alten Mann mit dem Holzstock. Jeden Tag hat er seine drei Brötchen geholt. Die Stammkunden kauften ihr Brot so wie immer. Francesca hat seit einiger Zeit beobachtet, dass die meisten Kunden eher grauhaarig waren, und sie fürchtete deswegen ein bisschen auf die künftige Gesundheit der Kleinen Backstube.

 

2. Die Mühlengasse

Die Mühlengasse befand sich im Herzen der Waldburger Altstadt. Waldburg hatte 50,000 Einwohner und ist aufgrund ihrer Mühlen und Holzindustrie in eine wohlfühlende Stadt geworden. In der Stadt war eine Technische Hochschule mit 3.000 Studenten aus ganz Hessen. Künstler wohnten wegen der malerischen Landschaft dort und Kletterer wurden wegen der Felsen angelockt. Die Mühlen waren jetzt eher Sehenswürdigkeit aber Mehl wurde noch hergestellt. Viele Jugendlichen verließen nach der Studienzeit Waldburg, um Arbeitsplätze zu finden oder das Großstadtleben zu genießen.

Die Mühlengasse war für frische Kost berühmt, weil Gemüse, Obst, Fleisch, Fisch und natürlich Brot alle zu finden waren. Die Kleine Backstube war in der Mühlengasse 10 und der Obst- und Gemüsehandel Benz war in der 12. Neben denen rechts war die Fischerei Fatih und in der 8 war der Metzger Schneider. Den Jugendlichen war die Straße wegen des Café ‘Sonnenscheins’ bekannt.

Auch in Februar war ein Haufen Gemüse zu finden und die Farbvielfalt war an diesem finsteren Tag willkommen. Karotten, Blumenkohl, Kartoffeln, Knoblauch, Zucchini und Rettich waren mit Früchten vom hessischen Anbau wie Äpfel und Birnen, als auch mit denen aus wärmeren Ländern wie Orangen und Zitronen gemischt. Die Familie Fatih, aus der Türkei, hat ihre Liebe für Fisch von Izmir mitgebracht und hat ein erfolgreiches Geschäft aufgebaut, mit Forelle als Spezialität. Der Metzger, Dietmar Schneider, war fünfundzwanzig Jahre alt und sein Salami war in der Umgebung bekannt; er verkaufte zwar vegetarische Produkte, den Präferenzen der neuen Generation widerspiegelnd, auch wenn er sowas nie selbst essen wurde.

Das ‘Sonnenschein’ war eine der Treffpunkte für die Jugendlichen und bat Tee aus aller Welt, live Musik und unbegrenzte Wi-Fi. Jeder der drei Stockwerke hatte eine bestimmte Stimmung.

Die Mühlengasse war im Herzen der Altstadt und war voll Fußgänger und Fahrräder. Die Geschäfte hatten die Ankunft der Supermärkte überlebt. Dieser Februarmorgen war die Francesca Müller aber in ihren Gedanken verloren; wie wäre die Zukunft der Kleinen Backstube?

 

3. Lecker aber genug?

War der freundliche Herr Hofmeister tatsächlich komisch? Kommt drauf an! Er war mit Wörtern sparsam, er rasierte zweimonatlich, wohnte allein mit vier Katzen und sang hessische Volksmusik. Handy, Auto, Fernseher hatte er nicht. Er pflegte die Lotte als sie sein Lieblingskind war. Sollte man auch sagen, er war ein fleißiger Bäcker auf die Francesca Müller gewidmet. Komisch? Vielleicht ja, vielleicht nein. Francesca hat sie sich an ihm lange her gewöhnt und er war ein geschätzter Kollege; sie benutzten zwar Vorname und ‘du’ miteinander.

Zwischen sechs und elf Uhr tragte Klaus das frischgebackene Roggenbrot, Vollkornbrötchen, Brezel, Käsestangen und Jahreszeitstorten zu den Regalen. Die Kunden liebten seine Handarbeit; zwar seine Brötchen und Brezel wurden im Cafe ‘Sonnenschein’ gegessen. Das Problem, wie erwähnt, war die jüngeren Menschen gingen meistens woanders.

Um neun Uhr, so ungefähr, betritt die feingekleidete Frau Gruber die kleine Backstube.

“So kalt ist es draußen. Schön bei dieser Hitze mein Körper zu erwärmen.” Sie atmete durch die Nase tief ein, und es war als ob ihre Seele aufgetankt wurde. Der Holzboden, die Holzregalen und die niedrige Decke tragten zu einem sehr gemütlichen Gefühl bei.

“Verkaufen Sie nun Kaffee, Frau Müller?” fragte Frau Gruber. Der Aroma entstand aus der Tasse Klaus, der seine fünfte des Morgens schluckte.

“Leider noch nicht, aber ich bereite eine für Sie vor”, antwortete Francesca.

“Vielleicht sollten Sie mal überlegen, Kaffee zu verkaufen”, schlug Frau Gruber vor. Sie genoss ihr Getränk und bedankte Francesca.

Nicht nur Kaffee anbieten, musste mehr geändert werden, aber an der Francesca fehlte die Energie. Am Sonntag wurde sie mit den Kindern mittagessen, und könnte ihre Gedanken teilen, und auch frische Forellen mit Kartoffeln und Salat genießen. Sie freutete sich schon drauf.

 

4. Forellen, Gemütlichkeit und ein Vorschlag

Stefan lass den LKW zu Hause und kam auf dem Fahrrad zur Familienwohnung. Der hellrote Käfer war schon vierzig Jahre alt, aber wie neu zu fahren. Brigitte war seit fünf Jahren sorgfältige Besitzerin.

Francesca und Brigitte, beide eins sechzig mit schwarzen Haaren waren als Mutter und Tochter schnell erkennbar; Stefan mit zwei Metern und blauen Augen weniger so. Der Papa war aber auch groß. Es war sehr schön einen Tag miteinander verbringen zu können, weil alle irgendwie beschäftigter denn je waren.

“Ich kann nicht mehr fortsetzen”, sagte Lotte, als sie die Zitronensaft auf die Forellen gieß. “Es scheint mir, dass wir uns auf eine neue Welt anpassen müssen, aber ich habe keine Energie mehr.”

“Wir sollten vielleicht die alte Backstube verkaufen und mit unserem Leben weitergehen. Auch wenn das traurig wäre. Ich liebe meine Arbeit.” Stefan war bei einem Lebensmittelgrosshandler tätig. In seinem Laster waren Kaffee, Keks, Zucker, Gemüse, eigentlich alles zu finden. Ihm waren die meisten Gaststätten und Cafés in Hessen bekannt.

“Ich verstehe, Mama. Du sollst keine Verantwortung für Die Kleine Backstube fühlen, weil Papa, Familie Müller, nie ein Interesse hatte. Ich erinnere mich an den Jahren meiner Kindheit; die kleine Backstube war mein Heimat. Der Rhythmus des Tages, der Aroma, die Backkunst sind alle ein enormer Teil von mir.” Die Mathematik und die Bildung von Jugendlichen wurden zur Passion und Brigitte war mit ihrem Leben zufrieden. Die Zeit mit den Handballerinnen machte Spaß, und sie war bei den Mädchen beliebt. Beim Training und Spielen verlangte sie viel, immer auf fairer Art.

Bald wurde es dunkel und die Kerzen im Esszimmer machten den Raum schön gemütlich. Francesca servierte die Forelle mit Kräuterbutter, Kartoffeln und Salat, alles von den Freunden in der Mühlengasse. Als Nachspeise eine hausgemachte Tiramisu. Ein Glas Wein und Wasser mit Kohlensäure dazu. Es hat geschmeckt!

“Neulich habe ich mir über unserer Backstube viele Gedanken gemacht. Ich habe Ideen, die Tradition zu behalten und gleichzeitig zu modernisieren. Ich habe sogar daran gedacht, das Schulleben aufzugeben. Wäre selbstverständlich eine große Entscheidung. Das Backen ist trotz mir in der Blut.” Brigitte hat sich selbst mit ihren Wörtern erstaunt.

“Man muß immer dem Herzen folgen. Die Schule bietet dir Stabilität und Spaß und du machst die Arbeit erst seit einigen Jahren. Auf der anderen Seite könntest du was tolles aufbauen.”

“Danke Mama, nicht jede gebe solche Unterstützung.”

“Du warst immer die Verrückte, Brigitte, und deswegen lieben wir dich,” sagte Stefan.

Acht Uhr war spät, weil jeder musste früh aufstehen. Aufräumen, Spülen, Verabschieden! Viel im Kopf aber jetzt Schlafzeit. Der Schnee hatte ein bisschen geschmolzen, so daß Stefan nur an seinen eiskalten Händen dachte.

 

5. Waldburger Nachrichten

‘Das letzte Brötchen’ war die Schlagzeile, aber sie war eigentlich nicht korrekt. Es war das erste Mal, daß Francesca in der Zeitung erscheint hat und gegoogelt werden könnte.

Der Abschiedsfeier war spaßvoll und traurig. Tränen, Sekt, gute Erinnerungen und Glückwunsche für die Zukunft. Brigitte wurde monatlich eine Matheklasse durch Erfahrungen als eigenständige Geschäftsfrau beibringen. Sie wurde auch die Handballerinnen (zweite dieses Jahr) helfen.

Die Entscheidung war letztendlich nicht so schwierig gewesen. Mit der Zeit blieb im Herzen nur eine Option. Zwei Wochen Urlaub auf Korfu war erholsam und jetzt, mitte Juli, war Brigitte für Die Kleine Backstube verantwortlich. Seit April ging sie in die Technische Hochschule, um gelernte Bäckerin zu werden. Sie wollte die professionelle Bildung haben, nicht nur die Kenntnisse aus ihrer Erziehung. Das Lernen und die Arbeit mussten irgendwie mit Schlaf und Essen im Tage eingepackt.

Alleine wäre es unmöglich gewesen und Robert Kaufmann, einundzwanzig, wurde deshalb Montag bis Mittwoch Lotte streichen, die von Klaus Hofmeister gesungene hessische Volksmusik hören und das Brot backen. Robert, frisch gelernt, suchte Arbeit in seiner Heimatstadt und freute sich auf die Herausforderungen.

Ein Regal entnommen, häufiger Brot aus dem Ofen, Kaffeemaschine, zwei kleine Tische, belegte Brötchen, neue Kuchen mit mehr Sahne, Buttermilch, Quark und Obst; so waren die ersten Änderungen.

Zwei Uhr am 16ten Juli schaltete Brigitte Hessen 5 an, das Kanal mit Musik aus der achtziger und von heute. Lotte schlief gleich neben dem Ofen, auf ihre Aufheizung wartend. Brigitte fühlte sich wohl, und die ersten Aromas füllten Die Kleine Backstube.

“Guten Morgen Frau Müller,” sagte Klaus Hofmeister.

“Bitte Klaus! Wir kennen uns seit meinen ersten Schritten. Du hast mir so viel hierdrin beigebracht. Brigitte und Klaus, oder?”

“Ja, Chefin, natürlich!”

 

6. Kaffee und Kuchen

Frau Gruber war zufrieden. Sie kaufte eine der fünfzig Tassen Kaffee, die täglich verkauft wurden. Brigitte musste einen jungen Mann anstellen, um die belegten Brötchen vorzubereiten. Die neuen Kuchen waren auch beliebt und die Bewohner der Umgebung genossen ihr Sonntagskaffee und Kuchen mehr denn je.

Nach einer Monat, und mit einem Darlehen von fünf Tausend Euro von der Waldburger Sparkasse, war der Umsatz besser als erwartet. Einfach war es aber überhaupt nicht. Das Aufstehen um halb zwei war sehr schwer; es gab auch Probleme, die richtigen Mengen Zutaten zu schätzen. Einen Morgen war kein Roggenbrot in der Mühlengasse zu finden. Die treue Kundschaft nahm es mit Humor, weil sie Brigitte unterstützen wollte; Die Kleine Backstube war ebenso Teil ihres Lebens als dessen der Familie Müller.

Brigitte war manchmal ungeduldig. Klaus Hofmeister reagierte selten, als sie aus irgendeinem Grund schimpfte. Der Rhythmus des Frühmorgens hat sich geändert, aber Klaus machte weiter. Das Schnüren Lotte brachte ein bisschen Stille.

“Die Bäckerei Grünwald bietet uns zwei Mal soviel Brötchen zum gleichen Preis, und ihre Brezel schmecken besser,” so Anton Wegener, Besitzer des Cafe Sonnenscheins.

‘Mehlpreise erhöhen durch Produktionsprobleme in Ukraine’, so ‘Der Deutsche Bäcker’.

“Kann ich dir helfen?” fragte Stefan beim Forellentreff. Brigitte hat aber auf dem Sofa eingeschlafen. Francesca hatte keine Angst.

 

7. Einen Morgen in Oktober

Um sechs Uhr kam der Mann mit dem Holzstock.

“Zwei Euro vierzig bitte. Wie geht es Ihre Tochter? Wie war Afrika?”

“Danke. Es geht ihr gut, aber vier Monate im Dschungel waren genug.”

Die Handballerinnen wollten Brigitte eine angenehme Überraschung geben. Die ganze Mannschaft ist vor einem Auswärtsspiel vorbeigekommen und hat fünfzig Brötchen und fünfzehn Käsestangen gekauft. Sie haben ein tolles Foto mit Brigitte vor der Kleinen Backstube aufgenommen und sie weinte vor Freude.

Die Mühlengasse war für den LKW von Stefan zu eng und er tragte deshalb die Käse, das Kaffee, den Senf und die Milch in einem Kasten zum Laden. Der Besitzer hatte Brigitte ein Skonto von zwanzig Prozent für die ersten vier Monate angeboten. Stefan trank ein Cappuccino und sprach mit zwei jungen Kletterern.

“Ziehen die Leute eher Tomaten oder Gurken im Brötchen vor”, fragte Sabine Benz. Tomaten waren merkbar beliebter und Frau Benz holte ein Kilo mehr.

Lotte begrüßte die Kunden mit einem lauten Weinen. Ihre Augen waren grün und es war als ob sie mit jedem sprach. Dieser Morgen rannte sie nach ihrem eigenen Schwanz. Alle haben sich tot gelacht.

“Zehn Salamibrötchen mit Senf bitte, dazu fünf Kaffee zum Mitnehmen.” Nach einem schnellen Anruf brachte Dietmar das notwendige Salami. Mit solchen Nachbarn fühlte Brigitte sich gut unterstützt. Zehn Minuten später waren die Studenten mit ihrem Mittagessen unterwegs.

Die Backkunst war für Brigitte die größte Freude, und sie schätzte die Stunden zwischen zwei und sechs. An diesem Morgen probierte sie die Mehl aus Waldburger Herstellung; zwar teuerer aber hoffentlich mit gutem Geschmack. Das Brot war zu trocken und Brigitte war noch nicht bereit, sie zu verkaufen. Deswegen machte das Backen so viel Spaß; Experimente, kleine Verbesserungen, Lernen von sich selbst und anderen.

Brigitte war mit dem neuen Kurs ihres Lebens zufrieden.

 

8. Mannschaftsleistung

War ein Teil des Anreiz der Kleinen Backstube das veraltete Aussehen? Ein bisschen schon, aber es war höchste Zeit die ersten großen Verbesserungen während der letzten zwanzig Jahren zu unternehmen.

‘Sonderschluss… Liebe geehrte Kunden, wir sind vom dreizehnten bis achtzehnten November wegen Umwandlungsarbeiten geschlossen. Vielen Dank für Ihr Verständnis. Wir laden sie zum Feier am Samstag den neunzehnten! Brigitte Müller, Ihre Kleine Backstube.’

Neue Backöfen, neue Anlagen für die Bearbeitung des Teiges und die Vorbereitung der ganzen Backwaren, neue Fliesen am Boden und auf den Wänden. Alles den Kunden unsichtbar, aber für die Zukunft kritisch. Vorne blieben die Regalen, aber neue Kühlkabinetten wurden installiert.

Zehn der Handballerinnen sind um halb acht angekommen. Mit gelber Farbe wurden sie neues Leben zur Kleinen Backstube bringen. Für viele war es das erste Mal und die Farbe landete oft mehr auf die Altkleidung als auf die Wände. Sie haben gelacht, geschimpft, geweint und gefeiert. Am Ende des zweiten Tages waren sie stolz auf ihre Leistungen; Brigitte auch! Als die Farbe schon trocken war, malte drei vierzehnjährige Studenten auch vom Gymnasium fabelhafte Blumen auf die Wände.

Die Fensterrahmen waren aus Holz und sogenannte modernere Materialien sollten besser sein. Der Schreiner, Christoph Merkel, hatte aber andere Ideen. Wenn Brigitte innerhalb drei Jahren aus irgendeinem Grund mit den Rahmen, Fenstern und Türen unzufrieden wäre, so wurde er die Kosten zurückbezahlen. Nach drei Tagen Arbeit von früh bis spät war alles fertig. Die Kombination von Benutzbarkeit und Schönheit war unmittelbar zu sehen. Die grüne und gelbe Farbe war ein Vorgeschmack der Kleinen Backstube drinnen. Manchmal, dachte Brigitte, muss man die Stimmen ignorieren und dem Herzen folgen.

Am Abend der achtzehnten fegten und putzten Brigitte und Francesca. Francesca weinte; Die Kleine Backstube hätte eine tolle Zukunft!

 

9. Die Wiedereröffnungsfeier und eine Idee

Frau Gruber wurde als erste bedient. Der Bürgermeister von Waldburg schenkte ihr das erste Kaffee und Brigitte bat ihr eine Brotscheibe mit Butter und Honig. Die Kleine Backstube war überfüllt, so auch die Mühlengasse unter der schwachen Novembersonne. Der Aroma, die live Geigemusik, die Gespräche über die Ausweitung der Technischen Hochschule, die Waldburg 1872 Fußballmannschaft, Roggenbrot und alles andere tragten zu einem unvergesslichen Morgen bei. Klaus Hofmeister war um Mitternacht angekommen, sowie Brigitte, Francesca, Robert Kaufmann (fleißig und zuverlässig) und auch Dieter (der Butterbrotkünstler). Um vierzehn Uhr schließen sie die Tür. Bestehende Kunden und neue Gesichte waren begeistert! Alles hat perfekt funktioniert, wenn auch Lotte die Ruhe lieber.

“Brigitte, wie geht das Geschäft? ” fragte Michael Bachem der Sparkasse. Herr Bachem hatte noch fünf Tausend Euro überwiesen.

“Der Umsatz ist zwanzig Prozent höher und die Kosten sind um zehn Prozent gestiegen. Wir haben einige neue Probleme mit der Temperaturregelung des Ofens, Klaus Hofmeister hat Gesunheitsprobleme, die belegten Brötchen haben in ganz Waldburg einen guten Ruf. Viele Arbeit, es macht Spaß, aber mir ist nicht so klar wie ich das Darlehen zurückzahle.”

“Erinnern Sie sich an unserem Gespräch über Preiserhöhungen? Meiner Meinung nach sollten Sie die Idee jetzt überlegen. Mit besserer Qualität ist man bereit mehr zu zahlen. Vielleicht ab ersten Januar?”

“Auch wenn das Café Sonnenschein unsere Preise schon jetzt zu teuer findet?”

“Ganz genau. Den Vertrag lassen Sie lieber anderen.”

Mit der monatlichen Mathematikklasse analysierte Brigitte ein Haufen Optionen. Endlich ist der optimale Plan zustande gekommen.

 

10. Kunst, Blumen und Weihnachten

Der erste Stück war einer Hügellandschaft im Herbst und der zweite eines Bauers. Sie hängten gleich neben den Tischen, so daß die Kaffeetrinker sie genießen konnten. Sie waren im Verkauf und alle zwei Wochen kamen neue. Brigitte bestellte immer frische Blumen und diese Woche wurden sie von einer achtzigjährigen zusammengestellt.

Brigitte wollte Nürnberger Lebkuchen ihrer Kunden anbieten, aber bei der Kleinen Backstube gefertigt. Im Weihnachtsmarkt waren sie für sechs Euro die zehner Packung zu finden. Schwierig war es die ideale Gewürzigkeit im Lebkuchen einzupacken, aber nach elf Versuchungen waren Brigitte, Klaus Hofmeister und Robert Kaufmann bereit, sie im Regal zu haben. Acht Euro für zehn aber mit besserem Geschmack und hausgemacht.

Brigitte bat Stückchen gratis mit Kaffee an. Zum Glück war ein Kaffeetrinker Inhaber eines Weihnachtsmarktladens. Er kaufte fünfzehn Packungen zum Kostenpreis fünf Euro zwanzig. Auf jeder Packung war ein Etikett mit Wasserfarbe Bild der Kleinen Backstube, Internetaddresse und Telefonnummer. Am nächsten Morgen kam er zurück; alle innerhalb drei Stunden ausverkauft! Im Laden waren sie auch ein Schläger.

Alles in der Mühlengasse verkauft, alles in der Mühlengasse gebackt! Seit dem ersten Tag war es so. Zu einer Frage Traditionsabbruch sprach Brigitte mit ihrer Mutter. Sie waren einverstanden. Das Geschäft sollte Brigitte entwickeln, sie könnte neue Läden aufmachen, Produkte außerhalb verkaufen, sie könnte andere Öfen benutzten, aber nie musste das Gefühl und die Qualität der Kleinen Backstube verloren werden.

Sie haben dreihundertvierundsechzig Packungen verkauft, eine Hälfte vom Weihnachtsmarktsladen. So die Schlagzeile in der Waldburger Nachrichten ‘Hessische Bäckerin und ihre Hessische Nürnberger Lebkuchen.’

 

11. Eltern, Babys und Kleinkinder

Brigitte wollte die Gründe der Preiserhöhung der Kundschaft klar erklären. Es gehe um hochwertige Zutaten, Waldburger Mehl und auch die Zukunft der Kleinen Backstube. Tatsächlich waren einige Backwaren zu billig gewesen. Frau Gruber, die immer mit zehn und zwanzig Cent Stücke zahlen wurde, murmelte nichts gegen einen Aufpreis von sechzig Cent. Ein paar Leute gingen woanders, aber Brigitte freute sich schon auf ihren nächsten Besuch bei Herrn Bachem.

Das Grauhaarproblem, wenn auch verbessert, ist jedoch geblieben. Brigitte wollte das volle Potential ihrer Ideen realisieren. Der Kleinen Backstube gegenüber war die Video- und DVDthek, die gegen online verloren hat. Die zwei Besitzer, vielleicht unrealistische Optimisten, hatten noch ein Jahr Miete zu zahlen. Nach Brigitte wäre Platz für dreißig Leute mit sechs Tischen, aber ihr fehlte die Kohle irgendwas zu tun.

Brigitte erklärte ihrer Mutter den Plan.

“Ich werde die Hälfte der Miete zahlen, und dafür darf ich den Laden benutzen. Die Technische Hochschule hat €10,000 zu den Studenten des Innenbaus gegeben, um einen Umwandlungsprojekt zu unternehmen, und sie werden damit einen innovativen Treffpunkt zustande bringen. Wir haben die Genehmigung sowohl des Vermieters als auch der Stadtsbehörden. Das Personal wird von den Gastwirtschaftlern bei der Hochschule kommen, und werden von mir nach sechs Monaten bezahlt.”

Kunst der Freien Waldorfschule hängte auf der rechten Wand und des Gymnasiums auf der linken. Hinter der Theke hatten die Künstler die Speisekarte auf einem Schwarzbrett gemalt. Die Farben und Gefühl waren der Kleinen Backstube, mit aber vielmehr Platz. Nach einer Woche war es bekannt. Die Mamas und die Papas kamen mit Kindern, Kinderwagen und den ganzen Klamotten. Spielzeuge, Schreien und Spaß waren erlaubt!

Klaus Hofmeister, Lotte und Brigitte, ruhig bei der Arbeit eines Februarmorgens. Die Mehl, die Hefe, der Teig, der Aroma. Alles wie zuvor, aber alles geändert. Sicherlich mehr zu backen, bessere Ausrüstung, neue Rezepte. Klaus, wieder gesund, murmelte kaum ein Wort aber sang seine Lieder; er arbeitete mit Sorgfalt so wie immer. Lotte verbrachte heutzutage dreiundzwanzig Stunden und fünfzig Minuten in der Kleinen Backstube; sie hatte vierzehn Jahre alt. Brigitte, müde und unter Stress, hörte Hessen 5 leise zu. War es alles zu viel? In solchen Situationen verlor sich Brigitte in der Backkunst.

“Ich hätte gern zweimal Vollkornbrot,” sagte die Mutter mit drei kleinen Schätzchen.

 

12. Das Konzert

Die Livemusik ist Brigitte immer gut gefallen und jetzt hatte sie den Platz ein Konzert anzubieten. Es waren drei Geigen, zwei Flauten, eine Gitarre, eine Klarinette und ein Klavier. Die Musiker kamen vom Gymnasium und hatten vierzehn und fünfzehn Jahren. Im Programm dieses Mittagskonzerts war Musik von Mozart, Brahms, Queen und Taylor Swift.

“Ich freue mich, dass Sie zu unserem ersten Familienkonzert gekommen sind. Leckere Butterbrote, Brezel und Streusel sind an der Theke zu finden, sowie Kaffee und Tee aller Art. Für die Kinder gibt es frischer Osaft und Asaft. Nichts zu formal; Ruhe ist verboten! Bitte benutzen die Trommel und Mitsingen ist schön. Ich stelle die Studenten des Konrad Adenauer Gymnasiums vor. ”

Die Studenten hatten Angst, aber ohne Grund. Während der Stücke herrschte ein lautes Chaos im Familiencafe. Das Gesicht jedes Kindes wurde aufgeleuchtet, auch bei den Eltern.

Das Familiencafe produzierte Ergebnisse viel, viel besser als die Erwartungen von Brigitte und Herrn Bachem. Endlich ein lockerer Treffpunkt für Familien, wo alles erlaubt ist!

Jeden Samstagmorgen spielte ein Jugendliche von der Waldorfschule entweder Flaute oder Geige im Familiencafe und jeden Monat war ein Konzert. Einen Morgen haben Freunde der Familie Fatih türkische Volksmusik gespielt.

“Die Mathematik geht nicht nur um Nummer und Analyse. Es geht um Bewertung und Entscheidungen. Ihr habt sicherlich über dem Schluss der Bäckerei und Stehcafe bei der Technischen Hochschule gehört. Angeblich hat Herr Dillmann die Steuer jahrelang nicht richtig bezahlt. Jetzt kommt die Frage. Sollten wir die Bäckerei übernehmen? Der Umsatz ist sieben Mal so viel wie bei uns, aber die Kosten sind höher und es gibt ein Haufen Probleme mit dem Personal, sowie Schulden bei Lieferanten. Das Potenzial ist jedoch enorm und wir könnten neue Ideen ausprobieren. Hier findet ihr die wichtigsten Informationen. Geht in Gruppen von fünf und wir sehen uns in zwei Stunden.”

“Und die Rohstoffpreise? Neue Geschmacksrichtungen? Miete? Amortisation der festen Ausrüstung?” Viele Überlegungen. Sechs Gruppen, sechs Empfehlungen. Klar aber, daß es ginge. Brigitte sagte nichts dagegen.

“Was will ich denn? Hier tritt das Willen ein. Was sind meine Prioritäten? Wozu diese Bäckerei übernehmen?”

Die Entscheidung war einfach. Brigitte, immer ehrgeizig, wurde mit ihren Aktivitäten in der Mühlengasse weitergehen, und die Technische Hochschule lässt sie für andere. Ehrgeizig schon, aber ehrgeizig bei der Backkunst und Qualität, mit Spaß und Lernen dabei.

Am nächsten Samstag erklärte sie alles Klaus Hofmeister.

“Manchmal denkst du zu viel.”

 

13. So backen wir Brot

Nach einem Jahr war Brigitte gelernte Bäckerin, schneller als normal, weil sie schon sehr viel Erfahrung mit sich brachte. Durch den Kurs hat sie jedoch die Grundsätze gelernt. Vielleicht wichtiger entwickelte sie ein Verständnis von was die jungen Lehrlinge heutzutage studieren und erleben.

Claudia Brückner arbeitete einen Monat bei der Kleinen Backstube und wurde bewerteter Teil der Mannschaft. Das Arbeitsleben war anstrengender als sie sich vorstellen könnte, aber die Freude wegen eines Kompliments war unvergesslich.

Ihr gefiel die Atmosphäre der Backstube. Mehl auf den Boden, Singen und Radio, eine Menge verschiedener Backwaren, die Uhr auf der Wand, Lotte unter den Füßen, die Hefe, eine Bestellung (oft dringend), die Ordnung der Regalen, die Schönheit der Kuchen, das Aroma der Kaffee, der Mangel an Platz und Wichtigkeit der Organisation, die Bitte ‘wann sind die Croissants soweit?’

Sie liebte das Gefühl der Mehl, der Hefe und des Wassers zwischen den Fingern beim Knoten. Nicht zu trocken der Teig, eher feucht. Der Teig aufheben lassen. Wichtig die ideale Ecke zu finden, zwar die richtige Temperatur. Die Schüssel mit Geschirrtuch gut decken. Nochmal Knoten, nochmal aufheben lassen. Salz dazu. Knusprig draußen, weich drinnen. Einfach oder? Aber nicht ein Brot, sondern viele und gleichzeitig andere Backwaren. Nicht ohne Grund heißt es BackKUNST, dachte Claudia.

“Was hätten Sie gerne? ”

“Ja, zwei Weizenbrot, drei Brezel, zwei Käsestangen und zweimal Kaffee zum Mitnehmen.”

“Das wäre neunzehn Euro fünfundvierzig.”

“Vielen Dank. Sie sind sehr höflich. Ich wünsche Sie alles Gute!”

Alles im Kopf berechnet.

Zwanzig Kinder und ihre Eltern beim Familientreffpunkt. Weinen, Schreien, Apfelsaft auf den Boden, sechs Personen in der Warteschlange. Claudia hat gesungen, gelächelt und gearbeitet bis zum geht nicht mehr.

“Nach deiner Weltreise freue ich mich auf deinen ersten Tag bei uns.”

So stolz war Claudia.

Brigitte könnte es sich leisten jemand anders anzustellen, besonders Claudia. Sie bringe frische Ideen. Die Zukunft sah gut aus.

 

14. Die versteckte Waldburg

“Jeden Morgen sehe ich diese Männer. Wieso schlafen sie unter der Eisenbahnbrücke? Wir haben Übernachtungsplätze in Waldburg, oder?”

“Ich denke schon, Robert.”

“Brigitte, wir können diese Männer, und andere helfen. Ich verbrachte neulich eine Nacht bei einem Obdachlosigkeitsheim. Es ist eigentlich nicht zu schwierig dort anzukommen; ein paar falsche Entscheidungen und vielleicht etwas Pech. Ich sprach mit einer ehemaligen Geschäftsfrau und mit drogenabhängigen Männern. Es besteht so etwas in unserer hübschen Stadt. Es wird manchmal geäußert, dass solche Leute sich nicht verbessern wollen, dass sie irgendwie aufgegeben haben. Stimmt nicht, gar nicht. Hier ist meine Idee…. ”

So wurde ‘Aktion Mühlengasse’ geboren. Restkost wurde am Tagesende von freiwilligen Studenten der Technischen Hochschule zum Obdachlosigkeitsheim und zu denen außerhalb gebracht. Obst und Gemüse von der Familie Benz, Fisch von der Familie Fatih, Wurst und Salami von Dietmar Schneider und natürlich Brot von der Kleinen Backstube. Es gehe aber um viel mehr als Spenden, wenn das ungeheuer wichtig war. Freitag und Samstagabend waren ‘Die Nächte des Kochens’. Studenten der Hotellerie und Gastwirtschaft brachten die Vorbereitung wertvoller Speisen bei. Nichts zu kompliziert. Jeder nahm teil. Es war die Zeit, die Tagesprobleme zu vergessen, ein bisschen Selbstbewusstsein zuruckzukriegen und was praktisches zu lernen. Und wie man geschimpft und gelacht hat!

Wozu dann ein Geschäft? Nach Brigitte sollte die Arbeit Spaß machen, etwas nützliches herstellen und auch ein gutes Gewinn bringen. Zu diesem Punkt plante sie sorgfältig die Verkaufsmengen, für diese Mathematikerin selbstverständlich eine Freude. Sie blickte auf die historischen Verkaufsdaten, auf den Kalender und dann, gleich wichtig, war das Gefühl. Ein Geschäft sollte auch viel zur Gemeinschaft beitragen. Deswegen backten sie drei bis vier Prozent mehr als für den Laden nötig war. Brigitte liebte das Gemeinschaftsgefühl des Familientreffpunkts und auch natürlich das tägliche hin und her der Kunden der Kleinen Backstube.

Jeden Monat trafen die Ladeninhaber, ‘Aktion Mühlengasse’ und andere Themen zu besprechen. Diesmal von Schinken umgegeben.

“Die Supermärkte bieten Obst und Gemüse zu billigeren Preise und das ganze Schlepperei mit schweren Einkaufstaschen gibt’s nicht. Wir haben zehn Prozent weniger Umsatz während der letzten drei Monaten im Vergleich zum Vorjahreszeitraum,” so Frau Benz.

“Sie haben schone Fischtheken und gelernte, freundliche Arbeitskräfte,” fügte Selim hinzu.

“Ich habe einen Vorschlag. Während der wärmeren Monaten lassen wir uns Tische und Bänke auf der Straße auslegen und dortaus die normale Kost sowie Gerichte und Brötchen anbieten. Die Mühlengasse ist, dank der Leistungen Brigitte, verkehrsfrei am Samstag.” So Dietmar Schneider.

“Im Winter können wir den Familientreffpunkt verwenden.”

“Wir müssen etwas unterschiedliches anbieten. Die Einkäufer haben den traditionellen Laden vergessen und ich will sie an unserer Qualität erinnern,” sagte Dietmar.

Die Mühlengasse ist nie so überfüllt gewesen und Fotos und ein Artikel erschienen auf der Internetseite der Waldburger Nachrichten sowie auf der ersten Seite der gedruckten Version. Die ‘Mühlengasse Gastronomietagen’ wurden zu einem Erfolg, und die Zeiten der negativen Zahlen waren vorbei.

 

15. Kunst beim Backen

“Unsere Kunden wurden es nicht akzeptieren. Sie haben ein Vertrauen auf uns. Wir können überhaupt nicht die Form unseres Brots verändern.” Das war die Meinung Robert Kaufmann.

“Sie haben ihre Erwartungen, aber wir sollten einiges probieren. Ich möchte ein langes Vollkornbrot, statt die übliche runde Form. Natürlich bleibt das Gewicht gleich.” Das war die Meinung Klaus Hofmeister.

“Ich will Brot in ganz kreativen Formen anbieten. Zum Beispiel ein Vogelbrot, ein Blumenbrot, ein Entebrot! Es wird sicherlich ein Hit beim Familientreffpunkt.” Das war die Meinung Claudia Brückner.

Brigitte wollte neue Ideen ständig einführen und war mit diesen Vorschlägen begeistert.

“Probieren wir das lange Vollkornbrot und ich freue mich auf das erste Kaninchenbrot, oder was auch immer aus deinem Kopf kommt, Claudia. Ich bin mit dir einverstanden, Robert, dass einige Kunden ihr rundes Brot wollen. Vielleicht backen wir die beiden.”

Claudia liebte das Gefühl des Teiges durch ihre Finger fließend. Alles war möglich, ein Wolkenkratzer, ein Auto, ein Blumenbrot! Es erinnerte an ihrer Modellierungsklassen in der Schule. Am ersten Tag waren Mausbrötchen zu finden, fünfzehn Stück, ausverkauft. Am Dienstag Sonnebrot, zwölf Stück, ausverkauft. Fußballbrot, Entebrot und so ging es weiter. Es wurde klar, dass die Brötchen als ein volles Brot beliebter waren. Für eine sechsjährige war ein Katzeschinkenbrötchen was besonderes!

Schwieriger ging es bei dem Vollkornbrot. Die meisten wollten das runde Brot, und sagten, dass der Geschmack zwar anders war. Wurden die treuen Kunden der Kleinen Backstube sich für ausländische Backwaren interessieren? Der Bagelteig wurde mit viel weniger Hefe als ein typisches deutsches Brot geformt und man brauchte große Muskel am Knoten. Die Bagel, typisch New York, jetzt in Waldburg. Während der Amerikawoche, um den vierten Juli, hängten Fotos von Chicago auf den Wänden des Familientreffpunkts.

Frau Markovski, ursprünglich aus Ukraine, hatte zweiundvierzig Jahre für die Familie Müller gearbeitet. Sie fegte und putzte jede Ecke der Kleinen Backstube. Während der Zeit ist sie Großmutter geworden, die Haarenfarbe hat sich geändert und natürlich ist der Kommunismus zu Ende gekommen. Danach könnten Verwandte aus Ukraine reisen. Das Verlassen des Heimatlands war derzeit schwierig aber Frau Markovski bereute nie ihre Entscheidung. Die stille Zeit nach Ladenschluss war von Brigitte geschätzt. Frau Markovski wollte kein Abschiedsfeier. Sie tranken ein Glas Sekt und mit Tränen verabschiedeten sich; am nächsten Tag verließ Frau Markovski Waldburg für immer und verbrachte den Rest ihres Lebens mit ihrem Sohn in Berlin.

 

16. Ein frierender Tag in Februar

Der alte Mann mit dem Holzstock kam heute nicht. Mit zweiundneunzig Jahren ist er gestern gestorben. Frau Gruber bestellte ihr Kaffee. Die Mühlengasse war schneebedeckt. Lotte schlief friedlich, jetzt sechzehn Jahre alt. Klaus Hofmeister knotete den Teig. Robert Kaufmann trug dreißig Croissants vom Ofen zur Theke. Brigitte begrüßte eine junge Frau mit ihren Zwillingen im Familientreffpunkt. Claudia deckte die Sahne auf die Apfeltorte. Herr Bachem holte seine tägliche Brotzeit, zufrieden mit der Entscheidung, Frau Müller zu unterstützen.

Stefan, neulich verheiratet, kam aus der Kälte mit Petra und sie tranken Tee; endlich ein Ruhetag zusammen. Petra war als Bedienung in einer Gaststätte in der Altstadt tätig. Die Kapitän der Handballerinnen erzählte die Neuigkeiten; Brigitte hatte nicht viel teilnehmen können und das bereutete sie. Dieter wollte wieder studieren und wurde in einer Monat die Erzeugung der belegten Brötchen an Helmut Schäfer weitergeben, ein freundlicher Mann, mit dem Geschäftsleben soweit. Dietmar Schneider brachte das Salami und italienischen Schinken. T-shirt schien bei diesem Wetter nicht genug. Michael Benz, achtzehn letzten Dienstag, lieferte die hellroten Tomaten, die Gurken und den Salat. Er liebte den Laden und wollte mit seinen Eltern arbeiten.

Markus Bernhard vom Café ‘Sonnenschein’ kam vorbei.

“Wir haben einen Fehler gemacht. Ich möchte ihre Brötchen und Brezel exklusiv anbieten. Ich zahle natürlich den richtigen Preis.”

“Lass mich das gut überlegen. Dein Café ist Teil meiner Jugend und wir haben durchaus eine gute Beziehung gehabt.” Es kamen aber viele andere Einflüsse auf die Entscheidung.

“Wir haben die Analyse der neuen Zutaten und des neuen Möbels für hier gegenüber vorbereitet,” sagte einer der Studenten mit rotem Gesicht. Die nächste Klasse sollte am kommenden Freitag stattfinden.

“Trink mal ein Kaffee,” bat Brigitte den Mann an, der die Mehlsäcke auf dem Karren geschleppt hat. Vielleicht sollte er einen kleineren Lieferwagen haben?

Der Schnee wurde vom Eingang weggefegt, damit die Freunde von Frau Benz eine neue Rollstuhlrampe installieren könnten.

Das Aroma des Brots, die Stimmen der Kunden, die Wärme der Kleinen Backstube, die Farben der Torten, und die Musik von Hessen 5 – so war dieser kalter Morgen.

Hinter der Theke hing ein Foto der Kleinen Backstube im Jahre neunzehnhundertzwanzig. Herr und Frau Müller standen vor ihrer neuen Backstube. So viel hat seitdem geändert. Die Altstadt Waldburg hatte die Bomben des zweiten Weltkriegs überstanden, neue Läden sind aufgemacht worden und Handys und die digitale Welt sind zum Alltag gekommen. Wenn Brigitte dieses alte Foto anschauen wurde, hat sie sich immer wohl gefühlt. Die Familie Müller hatte immer mit Qualität gearbeitet und das Brot, und jetzt vielmehr, hatte einen ausgezeichneten Ruf.

Brigitte war stolz auf ihre Leistungen aber wollte einiges ändern. Die Arbeit, wenn auch eine Passion, hatte ihr Leben übernommen. In nächster Zeit wurde sie nochmal Handball spielen, und wollte einfach Freizeit für Freunde und Kaffeetrinken haben. Claudia hatte Lust auf mehr Arbeit und hat sich als eine tolle Kollegin gezeigt. Die Zukunft sah gut aus.

Andrew Knowlman

I am a 50-year old father of two children, married to Jane. I live in Hertfordshire, UK. I was diagnosed with Amyotrophic Lateral Sclerosis in April 2015.

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